Wie war Mexiko?

Die verschiedenen Landesteile Mexikos boten uns kulturell und landschaftlich ganz unterschiedliche Szenarien und somit war unsere Zeit in Mexiko sehr abwechslungsreich. Die wenig bewohnte Baja California mit ihren Wüsten und natürlich den Walen, die Welt-Metropole Mexiko City oder der Dschungel im Süden liegen zwar im gleichen Land, sind aber völlig verschieden. Diese Vielfalt hat uns sehr gut gefallen, da es an jedem Ort etwas Neues zu entdecken gab.

Blick von einer der Pyramiden in Palenque
Blick vom Templo de la Cruz Foliada in Palenque

Mexiko erschien uns als sicheres Reiseland

Wir hatten das Thema Sicherheit kurz in den ersten Eindrücken thematisiert, da Mexiko in den Medien so manche Schreckensgeschichte liefert. Rückblickend können wir sagen, dass es keine Situation gab, in der wir uns bedroht gefühlt hätten. Der Staat trug seinen Teil dazu bei, indem er auf Abschreckung durch viele, viele Polizeibeamte setzt und damit die Bad Boys zumindest aus den gut überwachten Bereichen fern hält. Polizei und Militär tauchen auf allen Ebenen auf: Hilfspolizei, Policia Municipal, Policia Regional oder Policia Federal. Was die Polizeipräsenz genau bewirkt, ist schwer zu sagen. Gegen Taschendiebstahl hilft sie auf alle Fälle nicht 😉

Die Kathedrale von Mexiko City
Die Kathedrale von Mexiko City im Abendlicht

Mit den zugrundeliegenden Problemen sind wir eigentlich nicht in Berührung gekommen. Der Drogenkrieg war für uns weit entfernt und nur einen Hauch von Korruption haben wir nur bei der Ausreise erfahren. Trotzdem scheint Bestechlichkeit auf vielen Ebenen verbreitet zu sein. In Oaxaca fielen uns einige Plakate auf, die auf Korruptionsaffären aufmerksam machten und konkrete Politiker anprangerten. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International schneidet Mexiko auf keinen Fall gut ab: Nur Platz 135.

Basilica Menor de nuestra Señora de la Soledad, auf den Plätzen vor den Kirchen Oaxacas wurde oft im kleinen demonstriert
Basilica Menor de Nuestra Señora de la Soledad, auf den Plätzen vor den Kirchen Oaxacas wurde oft im Kleinen gegen Missstände demonstriert

Noch schlechter ist es laut Statistik um die Pressefreiheit bestellt. Im Press Freedom Index belegt Mexiko den unrühmlichen Platz 147. Aufmerksam geworden sind wir auf diesen Umstand im Museo de Arte Contemporáneo de Oaxaca, wo  wir eine Ausstellung besuchten, die Zensur der Berichterstattung und Bedrohung oder sogar Ermordung von Journalisten thematisierte.

Gute Infrastruktur

Trotzdem machte Mexiko auf uns den Eindruck, als ob das Land und seine Infrastruktur gut funktionierten. Die Busse waren meistens modern und pünktlich, das Internet sowohl mobil und als auch in Form von WLAN in den Hotels in der Regel relativ schnell und zuverlässig. Wie nicht weiter verwunderlich erlebten wir eine Art Gefälle von Mexiko City hin zu den ländlicheren Gegenden.

Der Palacio de Bellas Artes in Mexiko City
Der Palacio de Bellas Artes in Mexiko City

Dies äußerte sich zum Beispiel am Komfort der Überlandbusse, bei denen wir aus Gründen der Bequemlichkeit immer die höchstmögliche Klasse gebucht haben. Von Mexiko-Stadt bis Chetumal rutschten wir bei jeder Fahrt jedoch immer eine Klasse tiefer. Die erste Fahrt nach Oaxaca konnten wir noch in Clase Ejecutivo fahren. Weiter ging es in der Primera Clase, wo es noch eine Toilette an Bord gab. Nach Chetumal fuhren wir auch Primera Clase, aber eine Toilette gab es nicht, dafür macht der Bus Pausen, was wir fast besser fanden :). Auf dem letzten Abschnitt gab es nur noch Busse der Segunda Clase.

20 Pesos, knapp ein Euro, Mexiko hat Benito Juarez viel zu verdanken, er war 3 mal Präsident
20 Pesos, knapp ein Euro, mit einer Abbildung von Benito Juarez, einem der verdienstreichsten Präsidenten von Mexiko

Auch das Preisniveau sank deutlich, je weiter wir uns von Mexiko City entfernten (mit Ausnahme der Baja California). Zahlten wir z.B. für eine Mahlzeit mit Getränken in Mexiko City oft 500 bis 800 Pesos (20 bis 30 Euro) für 2 Personen, waren es in Villahermosa, Xpujil oder Chetumal selten mehr als 200 Pesos (ca. 10 Euro).

Mexiko kulinarisch: Tortillas

Zur Vielfalt Mexikos gehört zweifelsohne auch das fantastische mexikanische Essen. Eine wesentliche Zutat ist so verwandlungsfähig wie ein Chamäleon. Mexiko ist das Land der Tortillas. Sie gehören als Beilage oder integraler Bestandteil zu vielen Mahlzeiten und Gerichten untrennbar dazu. Im Norden gibt es die Auswahl zwischen Mais- und Weizen-Tortillas, wohingegen im Süden fast ausschließlich Mais-Tortillas serviert werden.

Tacos, hier mit Nopale-Kaktus und Käse
Tacos, hier mit Nopale-Kaktus und Käse

Die Basis für Tacos sind kleine Tortillas, die mit beinahe unendlich vielfältigen Füllungen zubereitet werden können. Auf der Baja sind die Fisch-Tacos legendär, aber natürlich gibt es sie auch mit Shrimps, Hühnchen, Schwein, Rind, al Pastor, Gobernador, Kaktus, Käse, Kürbisblüte, Huitlacoche etc. Je weiter wir reisten, desto mehr lokale Varianten lernten wir kennen. Besonders gut blieben uns die Tacos mit Cochinita Pilbil im Gedächtnis. Je nach Ort kann man die Tacos selbst zusätzlich noch mit mehr oder weniger scharfer Salsa, Tomatenstückchen, Zwiebeln oder Krautsalat anreichern.

Enfrijoladas: Gefüllte Tortillas mit Bohnen
Enfrijoladas: Gefüllte Tortillas mit Bohnen und Käse

Werden die Tortillas größer, gerollt, mit diversen leckeren Füllungen serviert und mit einer roten oder grünen Chilisoße übergossen, dann werden sie zu Enchiladas. Nach der gleichen Logik sind Enfrijoladas gefüllte Tortillas, die mit Bohnen (frijoles) bedeckt werden. Herzhaft und saftig!

Gringas
Gringas

Damit wäre das Thema aber noch lange nicht erschöpft. Tortillas können sich in Gringas, Buritas, Quesadillas, Flautas und vieles mehr verwandeln. Same, same, but different 😉

Mexikos präkolumbianische Kulturen

Am meisten haben uns die imposanten historischen Städte der Maya beeindruckt. Dies liegt vielleicht auch daran, dass uns der vorherige Besuch der Stätten früherer Kulturen (also zeitlich vor den Maya) das Verständnis einfacher gemacht hatte. Auch erfuhren wir viele Einzelheiten über das Leben, die individuellen kosmetischen „Verschönerungstechniken“ (Beeinflussung des Schädelwachstums, Modifikation und Verzierung der Zähne, Erzeugen einer Schielstellung der Augen), die Glaubenswelt, die Politik, die Kriege und das Kunsthandwerk der Maya.

Palenque: Der Templo del Conde
Palenque: Der Templo del Conde

Auch wenn wir prinzipiell eine grobe Vorstellung von den präkolumbianischen Kulturen hatten, so lernten wir sehr viel über die Hintergründe, die verschiedenen Kulturen in den unterschiedlichen Zeitperioden und sahen ihre ehemaligen Städte. Es erstaunte uns etwas, wie viele Details über die Völker mittlerweile bekannt sind, nicht zuletzt durch die Entschlüsselung der Maya-Schrift. Wie in Europa auch gab es Königshäuser, komplexe politische Beziehungen und kriegerische Auseinandersetzungen. Sicher stehen noch interessante Entdeckungen bevor, von vielen Stätten sind bisher nur Bruchteile ausgegraben worden.

Der Stein der Sonne, eine Art Kalender der Azteken
Der Stein der Sonne, eine Art Kalender der Azteken

Neben den präkolumbianischen Kulturen hat Mexiko aber noch sehr viel mehr Geschichte zu bieten, nicht zuletzt, da die Kolonialisierung und die Bekehrung der amerikanischen Bevölkerung zum Katholizismus hier begannen. Einige dieser Einflussfaktoren strahlten auf ganz Lateinamerika aus, z.B. die Verehrung der Virgen de Guadalupe, der wir später auch in anderen lateinamerikanischen Ländern immer wieder begegneten.

Nach einem Monat in Mexiko wären wir am Ende gerne länger geblieben (wie so häufig), da wir nur einen Bruchteil des großen Landes bereisen konnten. Mexiko hat uns sehr gut gefallen und wir kommen bestimmt gerne wieder, um noch andere für uns unbekannte Gegenden kennenzulernen. Wie war Mexiko? Viva México!

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