Sucre, das koloniale Juwel Boliviens

Sucre gefiel uns auf Anhieb. Es ist eine wunderschöne Kolonialstadt, in der nicht die üblichen roten Backsteinhäuser dominieren, sondern schöne weiß gestrichene Gebäude, und das nicht nur im direkten Zentrum. Nicht umsonst wird Sucre auch die weiße Stadt („Ciudad Blanca“) genannt. Nach den Tagen im Altiplano hatten wir den Eindruck, wieder in der Zivilisation angekommen zu sein.

Blick über Sucre, die weiße Stadt, vom Dach des Templo de la Merced
Blick über Sucre, die weiße Stadt, vom Dach des Templo de la Merced

Adiós Altiplano

Auch wenn Tupiza nicht mehr offiziell zum Altiplano gehört, hatten wir erst in Sucre das Gefühl, das Hochland wirklich verlassen zu haben. Es war deutlich wärmer, obwohl Sucre mit 2800 Metern fast genauso hoch liegt wie Tupiza. In der Mittagssonne wurden sogar T-Shirt-Temperaturen erreicht in der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens. Die Regierung befindet sich allerdings in La Paz.

Die Prefectura de Chuquisaca an der Plaza 25 de Mayo
Die Prefectura de Chuquisaca an der Plaza 25 de Mayo

Unser Eindruck, zurück in die Zivilisation gelangt zu sein, verstärkte sich noch, als wir das erste Mal unser Hotelzimmer betraten. Das „Hostal de Su Merced“ befindet sich in einem gepflegten kolonialen Haus mit einem wunderschönen Innenhof, unser Zimmer war liebevoll mit Antiquitäten und Gemälden ausgestattet.

Unser Hotelzimmer mit kolonialem Charme
Unser Hotelzimmer mit kolonialem Charme

Kultur in Sucre

In der Innenstadt mit seinem schachbrettartigen Netz aus Einbahnstraßen ging es eng zu, aber trotzdem gab es viele kleine Grünflächen und die Plaza 25 de Mayo (quasi die obligatorische Plaza de Armas), die an die Chuquisaca Revolution erinnert, war ebenfalls üppig begrünt. Der Reiseführer hatte nicht übertrieben, wir empfanden Sucre als ein kleines Juwel verglichen mit allen anderen Städten, die wir vorher in Bolivien gesehen hatten. Hier ging es nicht so hektisch und chaotisch zu wie im Moloch La Paz, das Stadtbild wirkte harmonisch und die prächtigen kolonialen Gebäude sahen gut erhalten aus. Einer unserer bolivianischen Führer hatte gesagt, dass er sich im Ruhestand in Sucre niederlassen wolle, nun verstanden wir warum.

In Sucre wächst viel Grün zwischen den roten Dächern.
In Sucre wächst viel Grün zwischen den roten Dächern.

Zu den kulturellen Höhepunkten gehörte das Museo Eclesiàstico de Sucre. Neben den interessanten Ausstellungsstücken, wie einem Grabtuch Christi, Reliquien, religiösen Gemälden und mit edlen Metallen und Edelsteinen verzierten Kelchen genossen wir eine sehr engagierte und amüsante Führung. Unser Guide, ein Jesuit, erzählte uns zum Beispiel von einem Wunder, welches sich in der angeschlossenen Kathedrale ereignet hatte. In einer Nacht war ein Dieb eingedrungen und hatte versucht, eine Monstranz zu stehlen, schlief dann aber im zentralen Gang der Kirche ein. Der Priester fand ihn dort am nächsten Morgen selig ruhend mit dem wertvollen Stück im Arm. 🙂

Die Kirche San Francisco / Iglesia de San Fransisco
Die Kirche San Francisco / Iglesia de San Fransisco

Die Helden der Unabhängigkeit

Sucre ist der Geburtsort der Nation Bolivien. Hier wurde am 6. August 1825 die bolivianische Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet und Bolivien bekam seinen Namen. Benannt wurde das Land (natürlich) nach Simón Bolivar, der vielleicht wichtigsten Persönlichkeit der Unabhängigkeitsbewegung Lateinamerikas. Seine Statue steht in jeder ernstzunehmenden Stadt im Norden Südamerikas. Interessanterweise sichteten wir eine Nachbildung seiner Person sogar in Rio de Janeiro, obwohl er im heutigen Brasilien historisch gesehen keine Rolle gespielt hatte. Bolivar befürwortete eigentlich ein Konzept wie die Vereinigten Staaten von Südamerika, konnte diese Idee aber nicht in die Realität umsetzen. Um ihn gnädig zu stimmen, benannte man das neu gegründete Land nach ihm (Bolivar -> Bolivia -> Bolivien). Außerdem ernannte man ihn zum ersten Präsidenten der jungen Nation. Er übte das Amt allerdings nur 4 Monate lang aus und zog sich dann zurück.

Die Unabhängigkeitserklärung, allerdings nur eine Replik. Das Original liegt gut verschlossen in einem Tresor.
Die Unabhängigkeitserklärung, allerdings nur eine Replik. Das Original liegt gut verschlossen in einem Tresor.

Die Stadt Sucre erhielt ihren Namen nach dem zweiten Präsident Boliviens Mariscal Sucre. Er war ebenfalls eine wichtige Persönlichkeit im Unabhängigkeitskampf gegen die Spanier. In Quito hatten wir sein Wohnhaus besucht, wo er aufgrund seiner Mission nicht viel Zeit verbringen konnte. In der ecuadorianischen Hauptstadt ist „nur“ ein Stadtteil nach ihm benannt, in Bolivien gleich die gesamte Kapitale.

Statue von Mariscal Sucre auf dem Plaza 25 de Mayo
Statue von Mariscal Sucre auf dem Plaza 25 de Mayo

Spaziergang der Dinosaurier

Eine unerwartete Sehenswürdigkeit nach so viel Kultur und Geschichte war der Parque Cretácico, wo es tausende Fußspuren von 15 verschiedenen Dinosaurierarten zu sehen gab, die vor 68 Millionen Jahren entstanden sind. Die Dinos sind dort durch den Schlamm gestapft, die Abdrücke wurden durch Sediment bedeckt und versteinerten im Laufe der Zeit. Wie durch ein Wunder bemerkten Arbeiter 1994 im Steinbruch 68 Millionen Jahre später die Spuren. Zudem war das Gestein genau ab der Schicht mit den Abdrücken durch bestimmte Inhaltsstoffe für den Abbau unbrauchbar. Damit konnten sie glücklicherweise erhalten werden.

68 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Fußabdrücke
68 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Fußabdrücke

Der Fundort liegt ein paar Kilometer außerhalb von Sucre auf dem Gelände der
Fabrica Nacional de Cemento SA (Fancesa), dem lokalen Zementwerk. Neben den Industrieanlagen gibt es ein durchaus beachtliches Museum mit Fundstücken und Hintergrundinformationen zu den Dinosauriern, die vor Jahrmillionen dort in einem noch ganz anderen Klima lebten. Die meisten Fußspuren sind durch sog. Sauropoden verursacht worden, pflanzenfressende Riesendinosaurier. Im Laufe der Zeit hat sich das Gestein aufgefaltet und der ehemalige Boden bildet jetzt eine fast senkrechte Wand, quasi ein Naturmuseum.

Auf Dinosaurier-Expedition
Auf Dinosaurier-Expedition
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