Auf Safari im Mikumi Nationalpark

Eigentlich waren wir ja insgesamt 14 Monate auf Safari („Reise“ auf Swahili ). Eine „echte“ Safari wollten wir natürlich auch unternehmen. Statt einen der bekannten Nationalparks zu besuchen, die Serengeti oder den Ngorongoro Krater, entschieden wir uns für eine Route „off the beaten track“. Unsere erste Station war der Mikumi Nationalpark, danach fuhren wir in den Udzungwa Nationalpark und abschließend waren wir noch drei Tage im Ruaha Nationalpark unterwegs.

Von Wildtieren umringt am Eingang zum Mikumi Nationalpark
Von Wildtieren umringt am Eingang zum Mikumi Nationalpark

Safari-Auswahl

Die Preise für Safaris in Tansania sind oft absurd hoch. Auf einer nach oben offenen Preisskala gibt es keine Grenzen. Mit den roten Elefanten im Geldbeutel auf den 10000 Tsh-Scheinen kommt man allerdings nicht weit. US-Dollars sind die Safari-Währung. Es ist kein Problem, mehr als 1000 Dollar pro Tag und Person auszugeben. Am unteren Ende der Skala bezeichnete der Reiseführer alles unter 200 Dollar pro Tag und Person als Reinfall mit Ansage.

Safari im Geldbeutel: 50 Tsh: Nashorn; 100 Tsh: Impalala; 200 Tsh: Löwe; 500 Tsh: Büffel; 2000 Tsh: Löwe; 5000 Tsh: Nashorn; 10000Tsh Elefant. Bei der Bezahlung einer Safari sind diese Scheine und Münzen allerdings wertlos.
Safari im Geldbeutel: 50 Tsh: Nashorn; 100 Tsh: Impala; 200 Tsh: Löwe; 500 Tsh: Büffel; 2000 Tsh: Löwe; 5000 Tsh: Nashorn; 10000 Tsh: Elefant. Bei der Bezahlung einer Safari sind diese Scheine und Münzen allerdings vollkommen wertlos.

Hinzu kommt, dass sich die meisten Safari-Anbieter in ausländischer Hand befinden und die Safari-Dollars damit nicht den Bürgern des Landes zugute kommen. Nach langer Recherche fanden wir einen relativ erschwinglichen tansanischen Anbieter, die Ruaha Hilltop Lodge, mit guten Bewertungen. Über einen freundlichen E-Mail-Verkehr stellten wir ein individuelles Programm zusammen, überwiesen eine trotzdem stattliche Summe und erwarteten unsere Abholung in Dar es Salaam. Um eins vorweg zu nehmen: Einen Haken gab es nicht, die Ruaha Hilltop Lodge war ein Glücksgriff und wir haben die Safari sehr genossen. Und so brachen wir denn auf.

Auf dem Tanzam Highway

Wie geplant trafen wir Donard (den Sohn des Besitzer) am Vorabend der Abfahrt für ein kurzes Briefing in Dar es Salaam. Am nächsten Morgen starteten wir so früh wie möglich, um der Rush-Hour in Dar es Salaam zuvorzukommen und am gleichen Tag schon den ersten Game Drive unternehmen zu können. Die Stadt erwachte und interessanterweise nutzten Gruppen von Läufern die Kühle des Morgens für eine frühe Runde. Je weiter wir das Zentrum der Stadt hinter uns ließen, umso weniger Pkws waren auf den Straßen unterwegs. Wir sahen fast nur noch Busse in verschiedenen Größen sowie Lkws, die Personen bzw. Waren transportierten.

Die Route von Dar es Salaam nach Mikumi
Die Route von Dar es Salaam nach Mikumi (Quelle: Openstreetmap)

Wir folgten dem frisch von einer chinesischen Firma asphaltierten Tanzam Highway landeinwärts. Die Straßenschilder waren trotzdem meist auf Englisch ;), nur wenige auf Swahili. Den einheimischen Fahrstil beschrieb unser gedruckter Reiseführer in vielen Kapiteln als quasi selbstmörderisch. In der Tat sahen wir einige Fahrzeugwracks am Straßenrand: verunglückte Tanklaster oder Pkws im Graben. Vor allem moderne Überlandbusse zeigten waghalsige Überholmanöver. Nach den Beschreibungen hätten wir es uns allerdings schlimmer vorgestellt. – Vielleicht war unsere subjektive Wahrnehmung des Verkehrsgeschehens aber auch schon durch unsere Erfahrungen in einigen unserer bisherigen Reiseländer abgestumpft worden. – Unser Fahrer Patrick jedenfalls fuhr ruhig und besonnen, 80km/h über Land, 50km/h im Ort. An das Überholverbot im Ort hielt sich eigentlich jeder.

Auf dem Weg nach Westen ins Landesinnnere auf dem Tanzam Highway
Auf dem Weg nach Westen ins Landesinnere auf dem Tanzam Highway

Vielleicht lag das auch an der beachtlichen Polizeipräsenz. Unterwegs hielten uns die Staatsbediensteten trotz vorschriftsmäßiger Fahrweise mehrmals an: zum Prüfen des Autos, um Nachzusehen, ob es unbezahlte Strafen gab, und zur Kontrolle des Versicherungsstatus und der Zulassung. Dabei trugen die Herren Polizisten schnieke, strahlend weiße Uniformen, zu denen auch ein elegantes Stöckchen gehörte, das sie sich autoritär unter einen Arm klemmten. So sahen sie fast wie Kolonialherren aus ;).

Die erste Mikumi Durchfahrt

Der Tanzam Highway führt direkt durch den Mikumi Nationalpark. Paviane, Elefanten, Zebras und Giraffen sahen wir direkt von der Straße aus, auch wenn es manchmal schwierig war, zu verlangsamen, geschweige denn anzuhalten. Interessanterweise sollen die Tiere gelernt haben, dass sie in der Nähe der Straße sicher vor Räubern sind. Diese mögen den Lärm des Verkehrs nicht. Unglücklicherweise sind sich die Tiere aber der Gefahr durch die Fahrzeuge nicht bewusst.

Zebra-Crossing im Mikumi Nationalpark
Zebra-Crossing im Mikumi Nationalpark

Wildunfälle sind hier, vor allem nachts, leider sehr häufig. Straßenschilder wiesen drastische Strafen aus. Eine Antilope zu überfahren kostet 325 USD, einen Löwen 4900 USD und einen Elefanten sogar 15.000 USD – dann hat man allerdings zudem auch noch einen Totalschaden des eigenen Autos zu verbuchen ;).

Ein Unfall mit einem Elefanten ist eine teure Angelegenheit.
Ein Unfall mit einem Elefanten ist eine teure Angelegenheit.

Kurz nach der Westgrenze des Parks bogen wir links ab. Nach 15 weiteren Pistenminuten erreichten wir die Mikumi Safari Lodge in einem lichten Wäldchen, wo wir gerade die einzigen Gäste waren. Karibu, herzlich willkommen! Das gesamte Personal war sehr zuvorkommend und freundlich. Sie hatten anscheinend alle den gleichen Hospitality-Kurs absolviert. Fast jede Konversation endete mit den Worten „You are most welcome!“. (Fußnote: Man würde sich wünschen, die Deutsche Bahn würde den gleichen Kurs einführen, wenn mal wieder ein Schaffner in einen fast leeren Waggon kommt und vor sich hin brummelt, direkt vor einem stehend: „Die zugestiegenen Fahrgäste die Fahrscheine bitte!“)

Auf den letzten Metern zur Mikumi Safari Lodge
Auf den letzten Metern zur Mikumi Safari Lodge

Auf Pirschfahrt durch den Mikumi Nationalpark

Nach der Mittagshitze starteten wir auf die erste echte Pirschfahrt. Unser Jeep offenbarte dabei ungeahnte Möglichkeiten. Das Dach ließ sich zu etwa 70% öffnen, spendete dabei sogar Schatten. So konnten wir stehend und ohne störende Fensterscheibe die Savanne an uns vorbeiziehen und uns den erfrischenden Fahrtwind um die Nase wehen lassen.

Bester Ausblick von Safari-Jeep
Bester Ausblick aus dem Safari-Jeep

Und tatsächlich gab es viele Tiere zu sehen. Warzenschweine liefen durch das hohe Gras, auf der Flucht vor uns immer das Schwänzchen mit dem Puschel kerzengerade in die Höhe gereckt. Elefanten durchstreiften die Ebene oder Abschnitte mit meterhohem, zu Recht so benanntem Elefantengras, das sie vollständig vor unseren Blicken verbarg. Außerdem sahen wir einige Zebras in kleinen Herden.

Zwei freundliche Zebras lächeln und zu.
Zwei freundliche Zebras lächeln uns zu.

Die Löwen-Romanze

Auf Safari gibt es mehrere Strategien. Natürlich versuchten wir, Guide und Fahrer, selbst möglichst viele Tiere zu sichten. Alternativ kann man auch die anderen Fahrzeuge beobachten, um zu sehen, ob deren Insassen interessante Fauna entdeckt haben. Unser Führer wendete noch eine dritte Taktik an: Immer wenn wir ein anderes Auto trafen, fragte er, was die Leute gesehen hätten, natürlich auf Swahili. So wusste Donard, was zu erwarten war. Unser Geländewagen hielt an und er fragte: „Do you see the lions?“ Wir antworteten: „Which lions?“ Tatsächlich lagen drei Löwen kaum 10 Meter von uns entfernt halb verborgen im trockenen Gras.

Perfekt getarnte Löwen im Gras
Löwen perfekt getarnt im Gras

Die Löwen (auf Kiswahili Simba), ein männlicher und zwei weibliche, waren schon seit dem Morgen dort und ruhten sich aus. Der König der Tiere schaute manchmal auf und in die Runde. Nach gut 10 Minuten erhoben sich das Männchen und ein Weibchen, bewegten sich wenige Meter fort und vergnügten sich miteinander. Der Akt dauerte nur wenige Sekunden, soll sich aber alle 15 Minuten wiederholen, 5 Tage lang, bis zu 40 mal am Tag, damit es mit dem Nachwuchs auch wirklich klappt.

Ein stattliches Löwenpärchen
Ein stattliches Löwenpärchen

Fahrt in den Sonnenuntergang

Da wir den Park bis Sonnenuntergang verlassen mussten, kehrten wir allmählich um. Das war eigentlich schade, da viele Tiere um diese Zeit in dem Maße aktiver wurden, in dem die Hitze des Tages wich. Neben der typisch afrikanischen Safari-Fauna gab es auch einige nicht so bekannte Arten,  Perlhühner zum Beispiel. In Gruppen von ca. 25 Tieren leben sie genauso wie Zebras oder Giraffen in den Steppen Afrikas und fallen durch ihr hübsch gepunktetes Gefieder auf.

Ein Helmperlhuhn
Ein Helmperlhuhn

Auch wenn die Räuber in der Regel die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen, so sind doch Antilopen nicht minder elegant. Kurz vor der Ausfahrt aus dem Park graste eine große Herde Impalas direkt neben unserer Fahrspur, angeführt von einem stattlichen Männchen. Erst als wir anhielten setzte der Fluchtinstinkt ein und einige der kleinen Antilopen hüpften in gewaltigen Sprüngen vor uns davon.

Der Impala-Boss und seine Herde
Der Impala-Boss und seine Herde

Für den ersten Tag war die „Ausbeute“ sehr beachtlich, nennen wir es Big Three: Elefanten, sogar einen Büffel und die Löwen, dazu Zebras, Antilopen, viele Vögel. Safari-Herz, was willst du mehr? Und für uns war dies nur der Auftakt, bald würden weitere Safari-Tage folgen.

Sonnenuntergang über Mikumi
Sonnenuntergang über dem Mikumi Nationalpark
Please follow and like us:

1
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
1 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
0 Comment authors
Recent comment authors

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
trackback

[…] Udzungwa Nationalpark ist landschaftlich ein ziemlicher Gegensatz zu Mikumi. Statt mit Savanne ist Udzungwa mit dichtem Regenwald bewachsen. Flora und Fauna unterscheiden sich […]