Peru reloaded: Lima und Umgebung

Von Bolivien aus flogen wir zurück in Richtung Norden nach Peru. Lima, das am Meer liegt, hatten wir als Station vorher bewusst, u.a. der Höhenanpassung wegen, ausgelassen, aber den Besuch der peruanischen Hauptstadt für später fest eingeplant. Dort gibt es schließlich viel zu sehen: eine koloniale Altstadt und die Überbleibsel mehrerer prä-Inka-Kulturen. Außerdem hatten wir einen Ausflug zu den mysteriösen Nazca-Linien organisiert (dazu mehr im folgenden Artikel).

Lima, die Perus Hauptstadt, haben wir uns bis ganz zum Schluss aufgehoben. Hier, der Präsidentenpalast am Plaza de Armas.q
Lima, die Hauptstadt Perus, haben wir uns bis ganz zum Schluss aufgehoben. Dies ist der Präsidentenpalast an der Plaza de Armas.

Das Lateinamerika-Puzzle

Unsere späte Rückkehr nach Peru mag vielleicht verwunderlich erscheinen, wir hatten jedoch drei gute Gründe dafür. Nummer eins war die Höhenanpassung. Durch einige Tage in Lima wollten wir unsere mühsam erworbene Akklimatisierung nicht verlieren, daher waren wir ein paar Wochen zuvor von Quito gleich weiter nach Cuzco geflogen. Nummer zwei waren zeitliche Restriktionen aufgrund des Termins der Reittour im Colca-Tal, um die wir herum planen mussten. Ein weiterer nicht unwichtiger Punkt war die anstehende Weiterreise nach Brasilien, aus der das große Lateinamerika-Puzzle erwuchs.

Kaum Ost-West Verbindungen: In Türkis der mögliche Landweg und in Rot unsere tatsächliche Route.
Kaum West-Ost-Verbindungen: In Türkis der mögliche Weg zu Wasser über Zubringerflüsse des Amazonas und in Rot unsere tatsächliche Route

Bei der Planung unserer Südamerika-Reiseroute mussten wir nicht nur die üblichen Faktoren berücksichtigen, wie saisonales Klima oder Minimierung von Reisezeiten. Stattdessen stellte die Verfügbarkeit von Verbindungen nach Brasilien einen Engpass dar. Ursprünglich hatten wir vorgehabt, auf dem Landweg nach Brasilien einzureisen. Dafür gab es erstaunlich wenige überhaupt mögliche Routen. Insofern einleuchtend, da man das Amazonas-Regenwaldgebiet durchqueren muss. Der beste Weg, den wir fanden, führte über die peruanische Stadt Iquitos und das Drei-Länder-Eck von Kolumbien, Brasilien und Peru mit dem Amazonasschiff nach Manaus. Schließlich entschieden wir uns aber doch für den Flug nach Brasilien, da uns der Land- oder besser eigentlich Wasserweg zwar abenteuerlich (wie hier beschrieben), aber auch recht langwierig erschien. (Die Fahrt auf dem Amazonas holten wir auf anderem Wege nach).

Kein direkter Flug von La Paz nach Brasilien, würde man für 2019 zu gleichen Datum suchen wäre das eine der besten Routen.
Kein direkter Flug von La Paz nach Brasilien. Würde man für 2019 zum gleichen Datum suchen, wäre das eine der besten Routen (über Lima wäre die Verbindung zum Zeitpunkt des Screenshots 200 Euro teurer gewesen).

Aber auch die Flugrouten waren erstaunlicherweise wenig besser. Im westlichen Südamerika ist es relativ leicht, auf der Nord-Süd-Achse zu reisen, d.h. es gibt Flüge zwischen den großen Städten. Allerdings existieren so gut wie keine Verbindungen auf der Ost-West-Achse des Kontinents. Zum Beispiel gab es keinen einzigen Direktflug von Boliviens Hauptstadt La Paz nach Brasilien. Der schnellste und einzige ansatzweise vernünftige Weg, den wir fanden, führte über die peruanische Kapitale – ein Grund mehr für uns, den Besuch von Lima am Ende des Ländertrios von Ecuador, Peru und Bolivien zu planen.

Die (zweit)-trockenste Hauptstadt der Welt

Lima ist angeblich (nach Kairo in Ägypten – je nachdem, welcher Quelle man glaubt) die (zweit-) trockenste Hauptstadt der Welt. Es fiel uns allerdings schwer, dies zu glauben. Das Wetter war die ganze Zeit grau in grau (normal für die Jahreszeit), wolkenverhangen und ohne Sonne. Abends verspürten wir sogar des öfteren einen feinen Nieselregen. Keine Ahnung wie die Statistik gefälscht war 😉 – Aber die Trockenheit ist wohl trotzdem eine Tatsache.

Lima, die trockenste Hauptstadt der Welt, empfing uns mit Nieselregen.
Lima, die (zweit-)trockenste Hauptstadt der Welt, empfing uns mit Nieselregen.

Auch wenn das Wetter nicht umwerfend war, so beeindruckten uns doch die Sehenswürdigkeiten sehr. Als erstes besuchten wir Huaca Pucllana, eine Adobe-Pyramide der Lima-Kultur aus dem 5. Jahrhundert. Pyramide hört sich vielleicht höher an als es wirklich war. Das Bauwerk erreichte 10 Meter Höhe und umfasste mehrere Ebenen. Der Ort war wohl zeremoniell und administrativ von Bedeutung. Außerdem hatte man dort einige spektakuläre Mumien und Grabbeigaben der Wari-Kultur gefunden.

Huaca Pucllana, eine Ausgrabungsstätte mitten in der Hauptstadt
Huaca Pucllana, eine Ausgrabungsstätte mitten in der Hauptstadt

Auch für sich alleine betrachtet waren die Millionen von akkurat aufgeschichteten Lehmziegeln sehr sehenswert. Sie bildeten ein regelrechtes Labyrinth mit interessanten Mustern. Und das alles steht, ähnlich wie in Mexiko City, mitten in der Großstadt, umringt von modernen Gebäuden.

Lima kulinarisch: Das Foodie-Mekka der andinen Staaten

Nicht nur die Ausgrabungen waren interessant, es gab auch ein sehr empfehlenswertes Restaurant mit Blick auf die abends beleuchteten Ruinen, ein Muss im Foodie-Mekka der andinen Staaten. Wie wir vorher schon geschrieben hatten, war das Essen in Peru deutlich raffinierter als in den anderen Andenanrainerstaaten und jetzt waren wir nicht nur in der administrativen, sondern auch in der kulinarischen Hauptstadt angekommen.

Nächtliche Aussicht auf Huaca Pucllana im angeschlossenen Restaurant
Nächtliche Aussicht auf Huaca Pucllana im angeschlossenen Restaurant

An der Küste führt natürlich kein Weg am Nationalgericht Perus vorbei, dem erfrischenden Ceviche. Es besteht aus rohen Fischwürfeln, die in einem Sud aus Limettensaft, Chili, Salz, Zwiebeln und verschiedenen Gewürzen mariniert werden. Ein anderes, typisch peruanisches Gericht sind Anticuchos, gegrillte Spieße, am häufigsten mit saftigem Rinderherz.

Anticuchos - Spieße mit gegrilltem Rinderherz
Anticuchos – Spieße mit gegrilltem Rinderherz. Nebenbei: Das ist eine Vorspeise!

Ein weiterer peruanischer Klassiker ist Rocoto Relleno, eine mit Rindfleisch und Käse gefüllte scharfe Paprika, die auf einer Art Kartoffel-Gratin serviert wird.

Rocoto Relleno: Gefüllte Paprika mit Rind und Käse gefüllt
Rocoto Relleno: Mit Rindfleisch und Käse gefüllte scharfe Paprika

Der wichtigste Gang überhaupt ist – wir erwähnten es bestimmt schon einmal – der Nachtisch. In Lima führt in dieser Disziplin kein Weg am „Suspiro de Limeña„, dem „Seufzer einer Dame aus Lima“, vorbei. Warum sie seufzt ist nicht überliefert. Womöglich liegt der Grund darin, dass sie eigentlich schon satt ist, vielleicht hatte sie ihre Vorspeise aufgegessen ;). Wahrscheinlicher finden wir allerdings, dass sie seufzt, weil es einfach so gut schmeckt: Eine Dulce de Leche-Creme und darauf fluffiger Eischnee, einfach köstlich! Ein zuckersüßer Seufzer also.

Suspiro de Limeña, der Seufzer einer Dame aus Lima.
Suspiro de Limeña, der Seufzer einer Dame aus Lima.

Stadtrundgang: Die koloniale Altstadt

Wohl genährt konnten wir am nächsten Tag unseren Stadtrundgang beginnen :). Wie so oft in Lateinamerika begegneten uns bekannte Namen, wir waren schon recht Lateinamerika-erfahren ;). Es gab u.a. ein Gran Hotel Bolívar, eine Plaza de Armas und eine Iglesia de la Merced. Doch trotz der gleichen Benennung der Orte und Bauwerke hatten sie einen ganz eigenen Charakter, der Lima von anderen lateinamerikanischen Hauptstädten abhob. Zur Abwechslung fand man dort zwischen den kolonialen Gebäuden außerdem einige Häuser mit üppigen Jugendstil-Verzierungen. Insgesamt waren die Bauwerke mehr oder weniger gut erhalten. Etwas überrascht waren wir, als wir auf dem Kopf einer Statue der Madre Patria, einer Allegorie auf die Mutter Heimat, ein bezauberndes kleines Lama entdeckten :).

Man beachte das Lama auf des Generales Kopf
Man beachte das Lama auf dem Kopf der „Mutter Heimat“.

An der großen Plaza de Armas standen (wie üblich) zahlreiche imposante Gebäude. In einer Seitenkapelle der Kathedrale von Lima sind die sterblichen Überreste des spanischen Konquistadors Franscisco Pizarro beigesetzt. US-amerikanische Gerichtsmediziner hatten in zahlreichen Tests die Identität des Skeletts bestätigen können. Angesichts aller Gräueltaten, die Pizarro verübt hatte, fragten wir uns, wie die Kirchenbesucher im Laufe der Geschichte dazu gestanden hatten, dass sein Leichnam in der Kathedrale ruht. Aber am Ende stand er schließlich auf der Seite der Sieger und war ein Held der Spanier.

Die sterblichen Überreste von Francisco Pizarro befinden sich in der Kathedrale von Lima.
Die sterblichen Überreste von Francisco Pizarro sind in der Kathedrale von Lima beigesetzt.

Im Norden der Plaza de Armas steht der Präsidentenpalast und es gab wieder mal einen Wachwechsel zu bestaunen. In Lima wurden wir mit einer zackigen Version des Lieds „Moskau, Moskau“ begrüßt, vielleicht wegen der Fußballweltmeisterschaft? Die Militärkapelle spielte, um die Zeit bis zum Beginn des Apells zu überbrücken 🙂 Die peruanische Ehrengarde mit ihren rot-blauen Uniformen, den riesigen Epauletten und den goldenen Helmen mit rotem Federbusch wirkte wie einem historischen Gemälde entsprungen.

Museen und Wasserspiele

Lima war in mehrfacher Hinsicht ein würdiger Abschluss unserer Reise durch die Anden und damit auch durch die Geschichte ihrer Kulturen, da es einige der besten Museen aufwies, die wir in Lateinamerika besucht hatten. Aus der Kolonialzeit war das Kloster San Francisco mit seinen stickigen Katakomben und seinen Wandmalereien sehr sehenswert. Das Museo Larco präsentierte eindrucksvolle Artefakte prä-kolumbianischer Kulturen auf angemessene und informative Art und Weise. Und das (unser Meinung nach etwas überbewertete) Museo de Oro („Goldmuseum), in dem es nicht nur Gold zu sehen gab, sondern auch historische Waffen, komplettierte unser Museums-Trio.

Die Gottheit Naymlap der Lambayeque Kultur im Goldmuseum von Lima
Die Gottheit Naymlap der Lambayeque Kultur im Goldmuseum von Lima

Wirklich einzigartig (und auch reichlich kitschig) war „El Circuito Mágico del Agua„, zahlreiche bei Nacht poppig bunt angeleuchtete Springbrunnen in einem der Parks der Stadt. Es gab etwa 20 verschiedene Fontänen, eine farbenfroher als die nächste. Den zahlreichen Limeños schien es zu gefallen. Sie posierten für Selfies vor den Brunnen und wir schlossen uns ihnen an.

Im magischen Wassertunnel
Im magischen Wassertunnel

Der Höhepunkt war eine auf das Wasser projizierte Lasershow mit Musikuntermalung, die Peru, seine Sehenswürdigkeiten und die Peruaner feierte.

Pachacamac

Auch in der Umgebung von Lima erwartete uns eine spannende Sehenswürdigkeit. Zirka 40 Kilometer südöstlich der Innenstadt befindet sich Pachacamac, die Ausgrabungsstätte einer prä-kolumbianischen Stadt. Erste Fundstücke datieren aus dem 3. Jahrhundert nach Christus. Zwischen 600 und 800 herrschten dort die Wari. Anschließend wurde Pachacamac selbst das Zentrum eines regionalen Reiches, welches aber nie die Größe und Bedeutung des Wari-Herrschaftsgebietes erlangte. Ab ca. 1440 gliederten die Inka Pachacamac in ihr Imperium ein und errichteten auch weitere Bauwerke, zum Beispiel die Sonnenpyramide.

Blick über Pachacamac und die umliegenden Häuser
Blick über Pachacamac und die umliegenden Häuser

Die Überreste der Stadt waren interessant, aber sicher kein Höhepunkt wie zum Beispiel Machu Picchu, was auch durch das gräuliche Wetter und die wüstenhaft braune Umgebung nicht besser wurde ;). Unsere kompetente Führerin konnte dennoch die Stadt für uns ein wenig zum Leben erwecken. Sie erzählte von den alten Straßen und Handelswegen, den Pilgern aus antiker Zeit, die dorthin gereist waren, den vermuteten Ritualen und den Goldverzierungen des Sonnentempels, von denen natürlich heute nichts mehr übrig ist.

Wir stehen vor dem Acllahuasi
Vor einem Eingang ins Acllahuasi

Tanzende Pferde

Nach der Besichtigung von Pachacamac fuhren wir zu einem Restaurant, in dem es nicht nur reichlich zu Essen gab, sondern vor allem eine Reitvorführung. Als Höhepunkt der Darbietung tanzten die Darsteller mit den Paso Peruanos barfuß(!) die Marinera, einen der beliebtesten traditionellen Tänze Perus. Die Kombination aus Tanz und temperamentvollen Pferden hat uns sehr gut gefallen.

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